Es waren 26 Stunden im absoluten Ausnahmezustand. Was am Dienstagabend, den 14. Juli, um 17:56 Uhr mit den ersten Sturmböen und Starkregen begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der gefährlichsten und massivsten Unwetterlagen der letzten Jahre im Stadtgebiet Röthenbach.
Die offiziell erfasste Zahl von 65 dokumentierten Einsätzen ist nur die offizielle Statistik – etliche weitere Gefahrenstellen wurden von unseren Fahrzeugbesatzungen „im Vorbeifahren“ direkt auf der Anfahrt mit erledigt, ohne dass erst ein separater Alarm auflief. Rechnet man dann noch die unzähligen Einsätze der vielen hinzualarmierten Feuerwehren und Hilfsorganisationen dazu, für die es gar keine genaue Gesamtzahl gibt, wird das schiere Ausmaß dieses Ausnahmezustands erst richtig greifbar.
Wie unberechenbar und lebensgefährlich dieser Einsatz war, zeigte sich direkt in der Anfangsphase. Nach einer ersten heftigen Schauerzelle schien das Größte zunächst vorüber – doch nur eine halbe Stunde später startete das Unwetter mit voller Wucht und orkanartigen Böen noch einmal richtig durch.
Überall im Stadtgebiet splitterten tonnenschwere Äste, Bäume knickten wie Streichhölzer um. Die Lage war derart dynamisch und gefährlich, dass die Sicherheit der Einsatzkräfte akut bedroht war. Mehrere Trupps mussten die Arbeiten im Freien sofort abbrechen und sich in den Feuerwehrfahrzeugen in Sicherheit bringen, während um sie herum die Elemente wüteten. Ein absoluter Härtecheck für Mensch und Material.
Die außergewöhnlichen Einsatzstellen im Überblick: Nachdem der Sturm abgelaut war, bot sich den Kräften der Feuerwehr Röthenbach (ausgerückt mit MZF, MTW, GW L 1, LF 16/12, DLK 23/12, RW, TLF 4000) und den zahlreichen Unterstützern ein Bild der Verwüstung. Mehrere Hotspots forderten uns über Stunden:
Menschenleben in Gefahr: An drei verschiedenen Einsatzstellen waren Personen in ihren Fahrzeugen unter umgestürzten Bäumen eingeschlossen. Hier zählte jede Sekunde, um die Insassen schnell und sicher aus ihrer lebensgefährlichen Lage zu befreien.
Massive Gebäudeschäden im Mittelbügweg: Der Mittelbügweg traf es besonders hart. An einer Einsatzstelle stürzte ein riesiger Baum direkt in den Dachstuhl eines Wohnhauses – das Gebäude wurde noch in der Nacht für unbewohnbar erklärt. Nur unweit entfernt krachte an einer weiteren Einsatzstelle ebenfalls ein schwerer Baum auf ein Hausdach.
Schnackenhof & Alter Kirchenweg: Im Schnackenhof stürzte ein massiver Baum auf ein Gebäude und sorgte für erhebliche Schäden. Im Alten Kirchenweg bot sich ein dramatisches Bild: Hier wurde das Kirchendach komplett abgeweht, während Einsatzkräfte versuchten die Lage vor Ort einzuordnen.
Infrastruktur im Kollaps: Zahlreiche Bäume stürzten in Stromleitungen, was zu akuten Gefahren durch abgerissene Kabel führte. Auch die Bahngleise waren blockiert: Wegen Bäumen auf den Schienen musste die S-Bahn-Verbindung zwischen Nürnberg und Lauf komplett gesperrt werden.
Die Folgen im Stadtgebiet: Schulausfall und Sperrungen
Die Wucht des Sturms war auch am Folgetag überall spürbar. Durch den massiven Windbruch und umgestürzte Bäume auf dem Gelände der Grundschule am Forstersberg war die Sicherheit der Kinder nicht mehr gewährleistet – der Präsenzunterricht musste am Mittwoch komplett ausfallen. Auch das Rathaus zog Konsequenzen und ließ verschiedene städtische Einrichtungen vorsorglich geschlossen, um die Schadenslage im Hintergrund zu koordinieren.
Das Freibad traf es ebenfalls hart: Wegen der Aufräum- und Sicherheitsarbeiten (unter anderem wurden die Masten des Sonnensegels am Babybecken beschädigt) blieb das Bad die gesamte Woche dicht.
Side Facts & Hintergrundkoordination
Ein solches Chaos lässt sich nur im Team bewältigen. Ein großer Dank geht an das Ordnungsamt der Stadt Röthenbach für die hervorragende Arbeit im Hintergrund sowie an die Kreisbrandinspektion und die UG-ÖEL.
Zur Absicherung der eigenen Kräfte und der Bevölkerung waren zudem rund 40 Einsatzkräfte des Rettungsdienstes im Dauereinsatz – darunter Einsatzleiter Rettungsdienst, Sanitätseinsatzleitung, UG Rettungsdienst, sowie Einheiten der SEG Transport und SEG Verpflegung). Ein herzliches Dankeschön geht auch an das Team vom REWE Röthenbach, das die Einsatzkräfte Mittags unkompliziert mit einer stärkenden Brotzeit versorgt hat.
Wir bedanken uns zutiefst bei allen überörtlichen Feuerwehren (aus dem Landkreis Nürnberger Land und der Berufsfeuerwehr Nürnberg) sowie den Ortsverbänden des Technischen Hilfswerks (THW Ortsverband Lauf, THW Ortsverband Fürth). Ohne dieses gigantische Netzwerk an helfenden Händen wäre dieser Einsatzmarathon nicht zu bewältigen gewesen.
Neben den Unwettereinsätzen wurden wir am Dienstag auf die BAB9 zu einem LKW Brand, zu einem First Responder Einsatz und am Donnerstag und Freitag zu einer Ölspur und einer Türöffnung alarmiert.
26 Stunden, die gezeigt haben: Wenn es darauf ankommt, hält Röthenbach zusammen. Danke an alle für den unermüdlichen Einsatz!
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